Die Arbeitsschicht geht zu Ende und ein verlängertes WE steht ins Haus.


Zur Einstimmung auf die bevorstehende Reise setzt Eurowings einen CSA A 319 OK-REQ von DUS nach MUC ein. Ein Tschechien-Feeling umgibt mich. Das gefällt mir, denn schon des längeren wollte ich mal wieder nach Tschechien um dort endlich mit einer 810er Brotbüchse zu fahren. Diese schönen Schienenbusse werden auch nicht mehr und die Strecken zum Teil auch durch Busse ersetzt oder komplett aus Kostengründen eingestampft. Gesagt, tun getan. Den Schlachtplan dafür bietet mir hilfsbereit Kamerad Turbolet an. Rund um Strakonice gibt es mehrere kleinere romantische Bahnstrecken die von den urigen Schienenbussen bedient werden. Man weiss leider nicht 100%ig ob der 810er fährt oder auch ein etwas modernerer Hasstriebwagen verkehrt. Hinweise darauf geben Symbole im Fahrplan, ob Rollstuhl geeignet oder mit oder ohne Schaffner geplant ist. Das vorherige Studium der Fahrpläne ergab jedoch auch ein paar Pleiten. Wird Blatná Nepomuk nur noch 2 mal täglich von Bussen bedient, oder ist zB eine alte Route Richtung Süden nach Volary nun von einer privaten Firma GW Train Regio betrieben.
Das ist dann also alles uninteressant. Verglichen mit der Fliegerei wollen wir so was wie
Embraer 120 oder Saab 340 fliegen, aber keine Dash 8 oder gar Canadair.

Freitag mittag nach dem Kindergarten geht’s also gleich los. Am Abend zuvor noch Quartier ergattert, 10 km westlich von Strakonice, dem Ausgangsort für den Eisenbahn Nostalgie Ausflug am Samstag. Der Opel Zafira wird sozusagen schon mal auf die sommerliche Tour in die Ukraine eingefahren. Mit frischem TÜV aus der Werkstatt soll alles takko sein. Bitte kauft euch aber keinen Opel, da ist ja ständig etwas was gemacht werden muss. Die letzte Inspektion war schon wieder ein stattliches Sümmchen so das ich bei der Bezahlung in Schnappatmung gefallen bin und einige Tage unter Herz Rhythmus Störungen leiden musste.

Autobahn Richtung Deggendorf, Hengersberg raus, rein in den Nationalpark Bayerischer Wald. Hier ist tote Hose und es soll günstig Immobilien geben. In dieser grünen Gegend werde ich also meinen Ruhestand verbringen, dort oben am Hügel mit toller Fernsicht und ohne nervige Nachbarn. Mein Kopf über dem Lenkrad dicht an die Windschutzscheibe gepresst, träumend und sabbernd versäume ich die Abfahrt Richtung Zelina Rudna Bayrisch Eisenstein. Ze fix. Egal über Philippsreut geht’s genau so gut. Wirklich schön ist hier, und so gute Landluft. Oder ist es doch was anderes? Ein Stop in Grafenau beim dm-Drogeriemarkt für einen komfortablen Windelwechsel des Babys wird kurzer Hand beschlossen. Frisch gepudert fährt sich ́s schließlich besser. Weiter geht’s mit zusätzlich etwas ergattertem Aldi Proviant Richtung tschechischer Grenze. Ein paar verlotterte Nachtklubs links und rechts der Strasse verraten uns das es nicht mehr weit sein kann. Gleich nach diesen Schandflecken kommt der Vietnamesen Markt. Hier gibt’s kopierte Klamotten, Schuhe und Elektro Schrott. Auch gerne Vogelhäuser und die grossen bunten gläsernen Kugeln welche sich die Rentner gerne zur Zierde in die Gärten stellen. Hier braucht man auch keine Zeit vergeuden und wir halten in kleinem Ort mit Spielplatz zum verweilen. Dort stehen zur Einstimmung eine ausgedienter Feuerwehr Skoda LIAZ und ein paar Traktor Oldies herum. Das Navi lotst uns über enge Strassen direkt zu unserer Unterkunft Penzion U. sv. Jana im Örtchen Kraselov. Die Wirtin Eva wartet bereits auf uns und zeigt uns das Haus und die Gemeinschaftsküche. Glücklicherweise haben wir das Wochenende die komplette Unterkunft für uns alleine. In dem Ort gibt es keine Wirtschaft oder Laden und so müssen wir mal schnell zum Kaufland nach Strakonice flitzen. Gute Gelegenheit schon mal die Lage für den morgigen Tag zu peilen. Auf dem Weg liegt auch der kleine Grasflugplatz Aeroclub Strakonice. Hier sind ein paar UL ́s und Modellflieger am Werk. Eine An-2 steht eingemottet im Hangar. Da wir uns eine Zugverbindung für 11:10 am nächsten Tag ausgesucht haben steht einem standesgemässen Trinkgelage am Abend nichts im Wege. Alles schick alles schön.

Frühzeit um 8.00 schreit der Wecker in Babyformat. Als alle versorgt sind brechen wir auf in die Stadt. Das Auto am Busbahnhof abgestellt, was einen sicheren Eindruck vermittelt, geht es unbesorgt Gegenüber zum Bahnhof. Bahnstrecke Nummer 203 soll es heute für uns sein. Die freundliche Dame im Kassenhäschen ist des deutschen mächtig und stellt uns unsere Fahrkarte für den Zug 17923 nach Blatná und retour für 136 Kronen aus. Ab Sedlice besteht jedoch SEV und dort soll man in einen Bus umsteigen. Am Bahnhof begegnen uns auffallend viele Punker.
Scheint dort Mode zu sein, oder irgendwo muss ein Festival sein. Wir verlassen die Bahnhofshalle und gehen Richtung Gleise. Dort steht schon eine 810er Brotbüchse der České dráhy bereit. Daneben ein gelb grünes Etwas. Jetzt wird’s spannend,. Gleis 1 Abschnitt 4 B. Schauen wir mal genauer hin. Ja, es ist unsere Strecke. Erleichterung macht sich bei mir breit. Der Triebwagen hat also schon einige Jahre auf dem Buckel, ist aber in der neuen blau-weisen Lackierung bemalt. Früher normalerweise dunkelrot und beige. Sogar mit Bordtoilette ausgestattet und extra Platz für Fahrräder und Kinderwagen finden alle Platz. Der Wagen ist heute gut gefüllt mit Passagieren. Jung und alt, und fast alle mit Dosenbier ausgestattet. So soll es sein. Es geht los, unsere Tickets werden heute von einer Schaffnerin gezwickt und wir rattern mit leisem Surren des Dieselantriebs aus der Stadt. Jetzt kommen die Haltestellen mit den seltsam klingenden Namen Repice, Domanice, Radomysl zastávka, Velká, Turná, und Rojice.
Bei manchen Stationen wird nur auf Anforderung gehalten. Man drückt dazu einen Knopf wie bei uns im Bus. Wenn einer draussen mitfahren will muss er mit Handzeichen auf sich aufmerksam machen. Wer also im Wartehäuschen bei einem Nickerchen in seinem Bierrausch eingeschlummert ist, wird nicht mitgenommen. Zum Teil macht es den Eindruck das unsere Brotbüchse wirklich auf der Wiese hält, oder im Garten eines Bauernhofes. Verschlafene Gestalten und ungepflegte Saufköpfe steigen ein und aus. Im Wagen gibt es auch 2 Infobildschirme welche jeweils Haltestelle und Uhrzeit ankündigen. Auch unser Wahnsinns Tempo wird angezeigt. Auf gerader Strecke habe ich 50 km/h als Höchstgeschwindigkeit ablesen können.

In Sedlice ist heute Endstation und dort wartet schon der Schienenersatzverkehr auf uns. Die Leute eilen schnurstracks zum Omnibus, ich muss schnell noch ein paar Fotos klicken. Die dicke Schaffnerin torkelt als letzte hinterher und mahnt mich zur Eile. Jetzt sind die Türen der Bahn geschlossen und ich bekomme nochmal einen schönen Schuss schräg von vorne bevor ich die paar Meter zum Bus spurte. Unser Kinderwagen verschwindet im Bauch des MAN und es geht die letzten 2 Stationen nach Blatná. Dieses Vehikel scheint auch schon einige Jahre auf dem Buckel zu haben, was man allerdings bloss an dem schrecklichen Farbmuster der Sitze erkennen kann. Scheint irgendwie Mode der 80er gewesen zu sein. Unvorstellbar das sich jemand heutzutage bei soviel Auswahl diese Farbkombi bestellen würde.

Am Bahnhof Blatná angekommen wartet schon der 814 Hasstriebwagen für den Anschluss nach Breznice. Auf dem Abstellgleis gegenüber steht eine blaue 740er Rangierlok von Skanska gut im Licht. Sonst ist nichts weiter zu erlegen.

 

In 2 Stunden wollen wir wieder zurück, somit ist etwas Zeit sich das Ortszentrum anzusehen. Aber viel gibt es dort nicht zu sehen, und wir bekommen die Zeit doch gut rum. Zurück am Bahnhof hat sich eine weitere blaue Brotbüchse hinzugesellt.

Unser Shuttle-Bus kommt pünktlich und spuckt ein paar Passagiere aus Strakonice kommend aus. Kinderwagen wieder ins Cargo Compartment, und rein in die bequemen Sessel, welche mich jetzt irgendwie an die Sitze der Biman DC-10 erinnern. Der selbe Bus, der selbe Triebwagen und die selbe Schaffnerin bringen uns wieder zurück nach Strakonice, jetzt im fast leeren Wagen. Fast schon familiäre Atmosphäre sozusagen. Auf der Strecke noch eine geeignete Stelle ausgemacht, um die Kiste bei der Rückfahrt von aussen nochmal zu filmen und zu spechten. So zufrieden geht’s nochmal ins Kaufhaus um für den Abend was zum speisen zu haben und wir lassen den Tag schon frühzeitig erschöpft ausklingen.

OK-PRI Reims-Cessna FR.172J Rocket Aeroclub

Sonntag, es geht weiter, Zielort Karlovy Vary. Das St. Moritz Tschechiens von überwiegen russischer Klientel besucht. Auf dem Weg liegt Pilsen, welches auch immer einen Besuch Wert ist. In Pilsen waren wir schon öfter und wollen unsere Erinnerungen an die Brauerei Pilsen auffrischen. Wir parkieren direkt am grossen Eingangstor. Sonntag muss der Parkscheinautomat auch nicht gefüttert werden. Das Gelände ist eine lange Strasse mit Gebäuden und Türmen links und rechts. Hier gibt’s eine Wirtschaft, ein Besucherzentrum samt Souvenir Shop. Eine Führung dauert etwa 100 Minuten und wäre bestimmt interessant, doch mit Kindern ist es bestimmt niemanden von uns zumutbar.

Das Haupttor zur Brauerei und im Aussengelände ein alter Eisenbahnwagen für Bier

Da der Hauptbahnhof gleich nebenan liegt machen wir hier auch noch einen kurzen Spaziergang. Leider ist keine Taucherbrille vor Ort, jedoch sehen wir auch andere interessante Lokomotiven die sichtlich einige Jahre alt sind. Strassenbahnen sind von Skoda und natürlich nur das Neuste vom Neusten, liegt die Fabrik doch gleich um die Ecke.

Baustelle am Hbf Pilzen mit Strassenbahn, auf den Gleisen eine 242 279-8 und eine blaue CD Cargo 240 094-3

Also ein paar Fotos gemacht und weiter zum Zruc Airpark etwa 10 Minuten Autofahrt nördlich vom Zentrum. Hier hat ein Vater-Sohn Gespann eine beachtliche Menge an Flugzeugen zusammen gesammelt und leider auf sehr engem Raum zur Schau gestellt. Täglich wird gebastelt und geschraubt. Wer auf das Gelände will soll am Tor eine Glocke bimmeln, dann kommt einer der beiden Bastler angeschlappt und für 100 Kronen ca 4 Euro kann man sich dann nach Herzenslust umschauen. Wir buchen noch die Tupolev 104 dazu und bekommen eine private Führung. Das Flugzeug war früher in Olmütz ca 400 km weiter östlich als Bar abgestellt. Dort wurde ihr ganz schon zugesetzt und sogar ein Feuer hat darin gewütet. Jetzt wird täglich daran gewerkelt und das Cockpit und die Kabine hergerichtet. Sponsoren gibt es keine, anscheinend verdienen die Herren aber auch durch den Verkauf einzelner Teile an Sammler und Liebhaber etwas Geld. Denn mit den Eintrittsgeldern allein wird man schätzungsweise so einen Transporter oder Kran sicher nicht finanzieren können. Trotz des engen Raumes kann man einige interessante Impressionen fotografieren und sich auch noch mit Militär Mütze uns Spielzeugpistole auf einem Panzer lichten lassen. Mein 6jähriger Sohn mit der Waffe in der Hand lässt mich schmunzeln, stelle ich mir seine Hippy Kindergärtnerin vor, welcher jetzt „schwarz vor Augen“ werden würde. Unsere Welt ist nicht bloss rosa-rot und wir haben viel Spass und begutachten alles doppelt und dreifach. Draussen vor dem Gelände steht halb fertig die ex Czech Force One. Eine komplette Tupolev 154 haben die Jungs da ergattert. Tragflächen, Leitwerk, Treibwerke, Reifen und alles was noch fehlt lagern in 2 Kilometer Entfernung irgendwo unter einer Plane. Hier war schon kein Platz mehr. Irgendwann soll sie mal auf einem Sockel am Ende des Geländes stehen. Väterlich gebe ich den Hinweis, die Maschine Foto und spotterfreundlich zu platzieren, wäre das doch sicher ein weiterer Anziehungsmagnet für die Sportsfreunde aus der ganzen Welt. Zufrieden geht’s weiter die letzten 60 Kilometer nach Karlsbad.

Tupolev und jede Menge altes Eisen gibt*s im Airpark Zruc. Dazu kommen die grossen Flieger Czech Force One Tupolev 154 und Tupolev 104.

Kamikaze und harter Hund!?

Hier habe ich das Hotel Palacky geschossen. Das 4er Familienzimmer gab es für 76 Euro inkl. Frühstück. Direkt in der Stadt gelegen, steuere ich den Zafira im Schritttempo in die Fussgängerzone und die flanierenden Russentouristen müssen den Deutschen gleich mal Platz machen. Hotelparkplatz gibt’s auf der anderen Seite des Baches und wir bekommen 2 geräumige Zimmer. Gespeist wird fürstlich im Hoteleigenen Restaurant. Aber Vorsicht, die Preise sind wie beim Apotheker. Wir wohnen quasi in der Maximilianstraße von Karlovy Vary. Eine Marken Boutique nach der nächsten zwischen Juwelieren und Glas und Porzellan Geschäften. Dann gibt’s noch Karlsbader Oblaten, Schnabeltassen um das heilende Wasser zu sich zu nehmen und natürlich dürfen auch hier die Chinesischen Reisegruppen nicht fehlen. Besonders beeindruckend ist es am Morgen, wenn die Sonne Ihre ersten Strahlen ins Tal sendet, noch etwas Nebel liegt und der kleine Bach dampft und das Licht die lange Häuserreihe beleuchtet.

Palacky Hotel mit schöner Aussicht nach vorne und die Hauptstrasse.

LKKV ist der 4-letter Code des Letistě Karlovy Vary. Heute verspricht FR24 eine Pobeda 737-800. Die habe ich noch nicht, und ausserdem ist heute der Wind günstig das der Flieger auf der Bahn 11 reinkommt. Das ist besonders spektakulär, erinnert der Anflug auch etwas an Korfu. Von einem Hügel aus knipst man auf das unter einem vorbeifliegende Luftfahrzeug. Chris verkündet noch einen Russen Global aus Kasan für 12:38 local time. Auf dem Hügel oben gibt’s übrigens auch ein Hotel und einen Campingplatz, wenn jemand dort mal nächtigen will. Pobeda kommt pünktlich und es gelingen gute Aufnahmen. Flux mal Position gewechselt und ran ans Terminal. Vom Zaun aus kann man gut das Vorfeld einsehen. M-ARIE und M-BEST sind am Vorfeld geparkt. Rechts vom Terminal aus am Zaun kann man durch ein Tor gut spechten. Push back und Rollfreigabe der Pobeda, zu deutsch „Sieg“ erfolgen pünktlich, und wir können hier noch ein paar schöne Bilder beim Drehen auf dem Taxiway schiessen. Sogar ein paar local Spotter klicken auf dem Vorfeld rum. Mit Leiter wäre es immer besser, aber auch so ist das Ergebnis gut. Am Hügel dann noch den Global Express eingetütet.

Durch die Stadt zurück geht’s weiter Richtung Loket. Das war übrigens ebenfalls wie Karlsbad ein Drehort für den Bond Film Skyfall. Sehr schön zum Ansehen, aber sonst ist dort weiter nicht viel los. Jetzt wollen wir auch wieder nach Hause und machen nur noch einen kurzen Tankstop in Eger Cheb.

Loket

Am Dragon Markt der Chinesen oder Vietnamesen schauen wir aus Neugier nochmal kurz rein, aber es gibt dort wirklich nichts erstrebendes. Jetzt sind es noch 280 km bis dahoam. Insgesamt waren es 900 km durch Südböhmen und das Egerland auf unserer Rundreise. Tschechien wir kommen wieder !